Allerlei Kriegsnot und Kriegslist
Einst wurde die Burg durch viele Wochen von einem mächtigen Feind belagert. Die Verteidiger wehrten jeden Angriff tapfer ab, aber der Vorrat an Lebensmitteln war aufgebraucht und die Not aufs Höchste gestiegen. Da griffen die Verteidiger zu einer List. In einem kleinen Teich innerhalb der Burg schwamm noch eine prächtige Rutte. Der Fisch wurde gefangen und über die Burgmauer unter die Feinde geworfen. Diese ließen sich wirklich täuschen. In der Meinung, die Eingeschlossenen hätten noch genug Vorräte, gaben sie die Belagerung auf und zogen ab.

Diese Sage gibt es in einer zweiten Version:
Die feste Burg Ruttenstein wurde einst vom Feind durch Wochen belagert. Die Verteidiger hielten sich tapfer, aber die Not an Lebensmitteln stieg auf das Höchste. Die Rutten, die noch im kleinen Teich herum schwammen wurden gefangen und getötet, mit dem Blute wurde eine getrocknete Ochsenhaut bestrichen und dann über die Ringmauer gehängt. Die Belagerer meinten, die Burg sei noch reichlich mit Lebensmitteln versorgt und zogen ab. So waren die Rutten die Retter der Burg geworden, diese wurde zur Erinnerung Ruttenstein genannt.

Von Ungeheuern, Drachen und wilden Tieren
Ein Junge hütete in der Nähe der Ruine Ruttenstein Schafe. Er hatte keinen kleinen Schreck, als er unter einem Felsen eine riesenhafte Schlange hervorschauen sah, deren Kopf nicht kleiner war als der eines halbgewachsenen Schweines. So schnell er konnte, lief er davon und erzählte es daheim. Die Leute brachten ein Geschütz herbei und töteten die Schlange mit einem Schuss. Wo die Kugel traf, sieht man heute noch das Loch im Felsen.


Vergebliches Schatzsuchen

  • Auf der Burg Ruttenstein hauste ein Raubritter. Seine Schätze sind in der Ruine verwunschen. In einem Keller, den man aber nur in der Heiligen Nacht finden kann, befinden sich drei Truhen voll Gold, die von jungen Männern bewacht werden. Auch mitten in der Burg steht dann eine Kiste mit Geld, zu der man jedoch leicht könnte.
  • Zwei Bauern fanden in der Ruine Ruttenstein ein Gewölbe offen, sahen darin eine Truhe mit Geld stehen und wollten sie heraus tragen. Da erhob sich ein furchtbares Gewitter und vertrieb sie.
  • Zwei Burschen gruben um Mitternacht in Ruttenstein, sie stießen auf eine Schatztruhe und sahen durch einen Spalt in ihr das Gold glänzen. Mit beiden Händen griffen sie zu, im selben Augenblick hörten sie hinter sich einen wilden Lärm, sodass sie sich erschreckt umsahen. Sogleich verschwand die Truhe und sie mussten mit leeren Händen heimgehen.
  • Zwei andere Männer gruben in der Mettennacht in Ruttenstein nach einem Schatze. Plötzlich stand jemand hinter ihnen und sie liefen voll Schrecken davon. Es soll der Teufel gewesen sein.
  • Der verwunschene Schatz in Ruttenstein wird vom Teufel bewacht. Nur wenn es in der Mettennacht zur Wandlung läutet, lässt sich die Truhe aufsperren. Drei Männer versuchten es und hatten die Truhe während es zur Wandlung läutete schon fast aufgesperrt, da hörten sie ein Rauschen, meinten es sei der Teufel und rannten davon. Es war aber ein großer Vogel, den sie aufgeschreckt hatten.
  • Ein Knabe hütete in der Nähe der Ruine Ruttenstein Schafe, sie liefen ihm immer wieder in die Ruine hinauf, eines Tages folgte er ihnen und kam zu einer offenen Tür, die er noch nie gesehen hatte. Dahinter stand eine Truhe voll Geld, er zog den Schlüssel ab und brachte ihn seinem Vater. Der ging gleich mit ihm zur Ruine zurück, aber die Tür war nicht mehr zu finden.

Was alles zu Gold wird

  • Wenn man in der Ruine Ruttenstein einen Stein oder auch nur einen Zwetschkenkern aufhebt und einsteckt und nicht daran denkt, bis man daheim in der Stube steht, so hat man Gold in der Tasche.
  • Ein Hirtenknabe fand auf dem Ruttenstein hinter einem Tor, das er noch nie gesehen hatte, Zwetschkenkerne, Erbsen und Bohnen. Eine Hand voll Bohnen nahm er für die Kartenspieler mit, daheim aber waren sie reines Gold.
  • Ein Maurer verfehlte den verschneiten Weg durch das Naarntal und kam auf den Ruttenstein. Darinnen standen Bottiche mit Zwetschken wie zum Branntweinbrennen. Er steckte sich Zwetschken ein, als er daheim im Niederösterreichischen war, sah er, dass sie zu Gold geworden waren.

Schatzhütende Seelen und ihre Erlösung

  • Ein Knabe hütete auf dem Ruttenstein. Während des Sonntagsamtes erschien ihm eine weiße Frau: „Morgen sind es hundert Jahre, dass ich verzaubert bin. Ich komme als schwarzer Hund mit einem Schlüsselbund im Maul. Wenn du mir den nimmst, bin ich erlöst.“ Am nächsten Tag wartete der Knabe unter Gebet auf den Hund. Als dieser erschien, war er aber so fürchterlich, dass der Knabe sich nicht getraute, nach dem Schlüsselbund zu greifen. Die weiße Frau muss nun wieder hundert Jahre warten.
  • Einem anderen Hirten erschien die Jungfrau in Gestalt eines Löwen, aber auch er konnte den Anblick des Ungetüms nicht ertragen.

Altes Recht und abgekommene Bräuche
Bei der Kreuzsäule am Wege von Schönau nach Ruttenstein wurden Femgerichte abgehalten. Die in die Säule gemeißelten Abzeichen sollen Femkapuzen darstellen.

Friedhofs-Spuk
Auf dem Ruttenstein lebte im Dreißigjährigen Krieg eine stolze Burgfrau, die die reichsten Freier abwies. Um sie gerieten drei schwedische Hauptleute in Zank und trugen ihren Streit an der Kreuzung der Fahrstraße Schönau – Mönchdorf und Pierbach – Weißenbach mit Waffen aus. Als der Lärm die Bauern herbeilockte, fanden sie nur mehr Tote und begruben sie an Ort und Stelle. Von einer Leiche fand sich kein Kopf und sie wurde so bestattet. An der Stelle wurde ein Kreuzstöckl mit drei Nischen errichtet. In einer von ihnen hielt kein Heiligenbild. An dem Ort ist es nicht geheuer. Auf dem Mettengang kam eine Bäuerin vorbei und sah einen kopflosen Reiter nach seinem Kopf suchen. Totenstarr blieb die Frau stehen, bis die Geisterstunde um und der Spuk zu Ende war. Der Reiter ohne Kopf wurde noch öfter gesehen. So schreckt er die Hirten, wenn sie nicht vor dem Sonntagsgottesdienst heim treiben. Auch drei Geistergestalten steigen aus der Naarn und wiederholen den Schwedenkampf.

Es geistert

  • Zwei Betrunkene gingen vom Wirtshaus heim, sie wohnten nicht weit vom Ruttenstein. Wie sie unterhalb des Fischerhäusels gingen, sahen sie unten im Graben ein Licht, wo sonst kein Haus und kein Mensch war. Sie warfen Steine hinunter. Da wurde das Licht größer und größer und nahm die Gestalt eines Unholdes an, höher als die größte Fichte. Er kam auf sie zu. Die beiden fielen in die Knie und begannen zu beten. Der Unhold wurde gleich um die Hälfte kleiner und immer kleiner. Er stürzte sich in die Tiefe, wo er ein ungeheures Loch in den Boden schlug. Völlig nüchtern gingen die beiden Männer ohne ein Wort zu reden nach Hause.
  • Eine Frau aus Pierbach ging in die Arbeit und ließ ihr Kind allein. Als sie heimkam, war es aber nicht mehr zu Hause. Die Leute sagten, es sei gegen die Ruine Ruttenstein gegangen. Alles Nachforschen blieb umsonst. Die Frau ließ eine Messe lesen und für ihr Kind beten. Am Jahrestag ging sie traurig zur Ruine, in einem Gang lief ihr das Kind wohlbehalten entgegen und hatte das Schürzchen voll Goldstücke. Eine weiße Frau war alle Tage zu ihm gekommen, hatte ihm Essen gebracht und mit ihm gespielt.

Ansagen und Vorzeichen
In kriegerischer Zeit saß der Burgherr von Ruttenstein abends allein beim Kamin. Die Türe ging auf, ein fremder Jüngling überbrachte einen Brief und entfernte sich sogleich wieder, ohne ein Wort zu sagen. Der Burgherr wollte ihm nacheilen, allein die Türe ließ sich erst nach einer Weile wieder öffnen. Vom Burschen war keine Spur und niemand in der ganzen Burg, auch nicht der Torwächter, hatte ihn gesehen. Der Burgherr meinte, ihm habe geträumt, doch am Tisch lag der Brief, darin stand, die Burg werde bald Feinde sehen. Wirklich kam nach einigen Wochen eine feindliche Schar. Sie wurde aber leicht abgewiesen, weil die Besatzung auf die Warnung hin auf der Hut war.

Unterirdische Gänge
Von der Ruine Ruttenstein soll ein unterirdischer Gang bis zum Bischofberg angelegt sein. Einmal ging ein Mann hinein, mitten drinnen losch sein Licht aus und er wäre fast nicht heraus gekommen; der Eingang wurde dann zugeschüttet.